Gesundheits-Blog

Geschichten aus dem Leben - Mattea ißt nicht richtig

Es soll sie ja geben, Kinder die alles essen,was man ihnen vorsetzt. Die alles ausprobieren, freudig und ohne zu maulen. Und sowohl den Spinat, als auch die Oliven und den Salat komplett vom Teller verputzen.
Die meisten aber essen zwar gerne, aber halt nicht alles. Doch kommt es immer wieder vor, daß ein Kind kaum noch ißt, oder im Essen auffällig wird. Das kann unterschiedliche Gründe haben - und sollte immer Anlaß sein, genauer hin zu schauen. Deshalb erzähl ich Euch hier die Geschichte von Mattea.

Mattea ist ein lustiges, fröhliches Mädchen. Sie ißt gerne sehr viel. Gelegentlich auch viel zu viel. Ihre Bauchschmerzen und ihr gelegentliches Erbrechen werden wohl vom vielen Essen kommen, denkt sich ihre Familie.

Als sie 6 Jahre alt ist, bekommt sie einen süßen kleinen Bruder. Der Kleine braucht viel Aufmerksamkeit, wie jedes Baby.. In den kommenden Monaten isst Mattea immer weniger, bis sie schließlich bis zu eineinhalb Stunden ! lang an einer Frankfurter mit Semmel kaut und freiwillig am liebsten nur noch Brei und Pudding essen würde. Sie nimmt in der Folge deutlich ab. Macht dem Mädel die Geburt ihres Geschwisterchens zu schaffen? Sie bekommt psychologische Betreuung.

Mattea wird mir schließlich im Alter von knapp 9 Jahren von der Kinderärztin vorgestellt. Die Symptome sind ausgeprägt, das Essen deutlich erschwert, trotz Wachstum nimmt das junge Mädchen nicht zu. Sie wirkt richtig traurig, gar nicht mehr so quietschvergnügt wie als Kleinind, erzählt ihre Mutter.

Es wird eine Röntgen-Kontrastpassage, Schluckakt genannt, durchgeführt, welche eine fast 8cm lange massive Einengung der Speiseröhre zeigt.  So eng, dass es kaum vortellbar ist, dass da überhaut eine Frankfurter passieren kann...

Wir endoskopieren sie und müssen, damit Nahrung durch die Speiseröhre kann, diese zweimal in Narkose aufdehnen. Das klingt heftig, aber Mattea ist überglücklich! Sie kann wieder essen.

Eine Sondenmessung des pH-Wertes über 24 h zeigt uns einen hochgradigen gastroösophagealen Reflux – das bedeutet, der Mageninhalt mit der extrem sauren Magensäure fließt zurück in die mit einer sehr empfindlichen Schleimhaut ausgekleidete Speiseröhre. Das tut meistens richtig weh, aber vorallem macht es die Speiseröhre kaputt.

Sieben Monate lang nimmt Mattea Medikamente ein, die die Magensäure hemmen, erst dann ist die ausgeprägte Entzündung soweit abgeheilt, daß wir sie operieren können.
Es kann eine Fundoplikatio, eine Operation, die den Reflux verhindert durchgeführt werden. So kann keine Säure mehr die empfindliche Speiseröhre verätzen.

Vom Zeitpunkt der ersten Aufdehnung ihrer Speiseröhre an bis zur Operation hat Mattea bereits wieder 8 kg zugenommen. Heute ist sie wieder das fröhliche, gerne essende Mädchen von früher. Wiener Schnitzel und Frankfurter gehören zu ihren Lieblingsspeisen. Sie gehört zu den tapfersten und best gelaunten jungen Mädchen, die mir bisher untergekommen sind!